Eine Haartransplantation der Tonsur – umgangssprachlich häufig auch Mönchsglatze genannt – kann einen deutlich sichtbaren Haarausfall am Hinterkopf optisch erheblich verbessern. Gleichzeitig gehört die Tonsur zu den Bereichen, bei denen eine besonders vorausschauende Planung wichtig ist.
Der Grund: Für eine Haartransplantation steht nur eine begrenzte Anzahl dauerhaft nutzbarer Grafts aus dem Spenderbereich zur Verfügung. Wer heute hauptsächlich unter einer lichter werdenden Tonsur leidet, denkt verständlicherweise zunächst genau an diesen Bereich. Eine gute Beratung sollte jedoch nicht nur den aktuellen Haarstatus, sondern auch einen möglichen zukünftigen Haarausfall berücksichtigen.
Was ist die Tonsur bzw. Mönchsglatze?
Als Tonsur wird bei Haarausfall meist der Bereich am oberen Hinterkopf bezeichnet, in dem sich der natürliche Haarwirbel befindet. Im Englischen werden hierfür häufig die Begriffe Crown oder Vertex verwendet. Bei erblich bedingtem Haarausfall kann dieser Bereich zunehmend ausdünnen, bis eine deutlich sichtbare kahle oder stark gelichtete Fläche entsteht – die klassische sogenannte Mönchsglatze.
Dabei kann die Tonsur zunächst isoliert betroffen sein. Sie kann aber ebenso Teil eines fortschreitenden androgenetischen Haarausfalls sein, der im Laufe der Jahre weitere Bereiche des Oberkopfes erfasst. Mehr über Ursachen und Möglichkeiten bei erblich bedingtem Haarausfall erfahren Sie in unserem ausführlichen Ratgeber.
Haartransplantation der Tonsur im Video erklärt
Im folgenden Aufklärungsvideo erkläre ich, weshalb bei einer Haartransplantation der Tonsur langfristig gedacht werden sollte, warum der Haarwirbel besondere Anforderungen an die optische Dichte stellt und weshalb realistische Erwartungen an das Ergebnis wichtig sind.
Warum eine Haartransplantation der Tonsur langfristig geplant werden sollte
Eine der wichtigsten Grundlagen jeder Haartransplantation ist die begrenzte Graftreserve. Die für eine Transplantation geeigneten Haarfollikel stammen überwiegend aus dem dauerhaft behaarten Spenderbereich am Hinterkopf und an den Seiten. Diese Reserve lässt sich nicht beliebig vermehren.
Grafts, die heute in die Tonsur transplantiert werden, stehen für eine spätere Haartransplantation an einer anderen Stelle nicht mehr zur Verfügung. Das spricht keineswegs grundsätzlich gegen eine Behandlung der Tonsur. Es bedeutet jedoch, dass der behandelnde Haarchirurg die langfristige Gesamtsituation berücksichtigen sollte.
Genau deshalb ist eine ausführliche Beratung und Planung vor einer Haartransplantation so wichtig. Es geht nicht allein darum, was heute technisch möglich ist, sondern auch darum, welche Reserven für die Zukunft erhalten werden sollten.
Heute Tonsur – später vielleicht Vorderkopf und Haarlinie
Gerade bei einem noch nicht abgeschlossenen oder schwer vorhersehbaren Haarausfall sollte die Tonsur nicht isoliert betrachtet werden. Heute kann hauptsächlich der Haarwirbel betroffen sein. Jahre später können zusätzlich Mittelkopf, Vorderkopf und Haarlinie deutlich ausdünnen.
Bei fortgeschrittenem Haarausfall kann dadurch eine Situation entstehen, in der einer grossen kahlen Fläche nur eine begrenzte Spenderreserve gegenübersteht. Je nach Spenderdichte, Haarkaliber, Kopfgrösse und individuellen Voraussetzungen reicht das vorhandene Spendermaterial dann nicht immer aus, um sämtliche kahlen Bereiche mit der gewünschten Dichte zu bepflanzen.
Ein anschauliches Beispiel dafür ist unser Video zu einer Haartransplantation bei Norwood 5A über eine grosse Fläche . Der Fall verdeutlicht, weshalb bei fortgeschrittenem Haarausfall Prioritäten gesetzt und vorhandene Grafts sinnvoll verteilt werden müssen.
Werden dagegen bereits früh sehr viele Grafts ausschliesslich für eine maximal dichte Tonsur eingesetzt, können diese später im Vorderkopf oder an der Haarlinie fehlen.
Eine gute Beratung sollte deshalb nicht nur fragen: „Wie viele Grafts passen heute in die Tonsur?“ Mindestens ebenso wichtig ist die Frage: „Wie viele Grafts sollten wir heute sinnvoll einsetzen, ohne die langfristige Planung aus den Augen zu verlieren?“
Warum der Haarwirbel die Tonsur besonders anspruchsvoll macht
Die Tonsur stellt auch optisch eine Besonderheit dar. Im Zentrum befindet sich normalerweise ein Haarwirbel. Die Haare verlaufen dort nicht gleichmässig in eine Richtung, sondern fächern sich vom Wirbel aus in unterschiedliche Richtungen auf.
Dadurch kann selbst bei Menschen mit natürlichem, vollem Haar im Zentrum des Wirbels etwas Kopfhaut sichtbar sein. Wie stark dies auffällt, hängt unter anderem von Beleuchtung, Blickwinkel, Haarlänge, Haarkaliber und dem Kontrast zwischen Haar- und Hautfarbe ab.
Unter Haarchirurgen wird die Tonsur deshalb gelegentlich bildlich als „schwarzes Loch“ für Grafts bezeichnet: Eine relativ grosse Fläche kann viele Grafts aufnehmen, während eine vollständig blickdichte Wirkung unter jedem Licht und aus jedem Blickwinkel nicht immer realistisch oder langfristig sinnvoll erreichbar ist.
Wie dicht kann eine Tonsur transplantiert werden?
Bei einer Haartransplantation geht es nicht darum, die ursprüngliche natürliche Haardichte um jeden Preis eins zu eins nachzubilden. Vielmehr soll mit den verfügbaren Grafts ein möglichst überzeugender optischer Eindruck entstehen. Gleichzeitig muss die vorhandene Donorreserve berücksichtigt werden.
Wer sich ausführlicher mit diesem Thema beschäftigen möchte, findet dazu auch unser Video „Maximale Dichte / Dense Packing – wie dicht können Haare transplantiert werden?“ .
Gerade in der Tonsur kann deshalb auch nach einer gelungenen Haartransplantation unter starkem Licht, bei nassem Haar oder aus bestimmten Blickwinkeln etwas Kopfhaut sichtbar bleiben. Das ist nicht automatisch ein Hinweis auf ein schlechtes Ergebnis.
Umgekehrt können günstige Voraussetzungen – beispielsweise kräftige Haare, geringer Haar-Haut-Kontrast, geeignete Haarstruktur und eine überschaubare Fläche – bereits mit einer vergleichsweise moderaten Graftzahl eine deutliche optische Verbesserung ermöglichen.
Wie viele Grafts braucht eine Haartransplantation der Tonsur?
Eine pauschale Graftzahl für eine Tonsur-Haartransplantation gibt es nicht. Der Bedarf hängt unter anderem von der Grösse der ausgedünnten Fläche, den noch vorhandenen eigenen Haaren, der Beschaffenheit des Spenderbereichs, Haarkaliber, Haarstruktur, Haar-Haut-Kontrast und der gewünschten optischen Dichte ab.
Die folgenden dokumentierten Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Ausgangssituation, Fläche und Graftbedarf bei einer Tonsur sein können. Die gezeigten Ergebnisse stammen von Dr. Bijan Feriduni.
Wichtig: Die Graftzahlen einzelner Patienten sind nicht direkt auf andere Personen übertragbar. Zwei ähnlich grosse Tonsuren können aufgrund unterschiedlicher Haar- und Spendereigenschaften einen deutlich unterschiedlichen Behandlungsbedarf haben.
Bestehende Haare und weiterer Haarausfall
Neben der Planung der transplantierten Haare sollte auch der mögliche weitere Verlust der noch vorhandenen Eigenhaare berücksichtigt werden. Eine Haartransplantation stoppt einen erblich bedingten Haarausfall der nicht transplantierten Haare nicht automatisch.
Deshalb kann im Rahmen einer ärztlichen Beratung auch besprochen werden, ob eine medikamentöse Behandlung des erblich bedingten Haarausfalls grundsätzlich infrage kommt. Hairforlife informiert hierzu unter anderem ausführlich über Finasterid bei erblich bedingtem Haarausfall sowie über Minoxidil zur Behandlung von Haarausfall .
Ob eine solche Behandlung im individuellen Fall geeignet ist, sollte mit einem entsprechend qualifizierten Arzt besprochen werden.
Warum der Spenderbereich persönlich untersucht werden sollte
Für die langfristige Planung muss nicht nur die kahle Fläche beurteilt werden. Mindestens ebenso wichtig ist der Spenderbereich. Dabei spielen unter anderem die verfügbare Fläche, Haardichte, Haarkaliber und die mögliche langfristige Entnahmereserve eine Rolle.
Fotos können für eine erste Orientierung hilfreich sein. Eine verlässliche Beurteilung der tatsächlich verfügbaren Donorreserve sollte jedoch durch einen erfahrenen Haarchirurgen bei einer persönlichen Untersuchung erfolgen.
Grundlegende Informationen über die Entnahme einzelner follikulärer Einheiten finden Sie auch in unserem Ratgeber zur FUE-Haartransplantation .
Für wen kann eine Haartransplantation der Mönchsglatze sinnvoll sein?
Ob und in welchem Umfang eine Haartransplantation der Mönchsglatze sinnvoll ist, lässt sich nicht allein anhand der Grösse der kahlen Stelle entscheiden. Berücksichtigt werden sollten insbesondere der bisherige Verlauf des Haarausfalls, das mögliche zukünftige Muster, die Qualität und Reserve des Spenderbereichs sowie die persönlichen Erwartungen.
Bei einer langfristig stabilen, isolierten Tonsur kann die Planung beispielsweise anders aussehen als bei einem Patienten, bei dem sich ein deutlich weiter fortschreitender Haarausfall abzeichnet. Eine individuell abgestimmte Strategie ist deshalb wichtiger als eine möglichst hohe Graftzahl um jeden Preis.
Fazit: Bei der Tonsur zählt nicht nur die Graftzahl
Eine Haartransplantation der Tonsur bzw. Mönchsglatze kann sehr deutliche optische Verbesserungen ermöglichen. Gerade dieser Bereich zeigt aber, weshalb eine Haartransplantation immer als langfristige Planung verstanden werden sollte.
Zwei Punkte sind besonders wichtig: eine vorausschauende Planung der begrenzten Donorreserve und realistische Erwartungen an die erreichbare Dichte. Eine gute Beratung betrachtet deshalb nicht nur die Tonsur, die heute stört, sondern auch die Haare und Grafts, die in Zukunft möglicherweise noch benötigt werden.
Häufige Fragen zur Haartransplantation der Tonsur
Kann man eine Mönchsglatze mit einer Haartransplantation behandeln?
Grundsätzlich kann auch eine Tonsur bzw. Mönchsglatze mit transplantierten Eigenhaaren behandelt werden. Ob eine Behandlung sinnvoll ist und wie viele Grafts eingesetzt werden sollten, hängt von der individuellen Ausgangssituation und der langfristigen Donorplanung ab.
Wie viele Grafts werden für die Tonsur benötigt?
Dafür gibt es keine allgemeingültige Zahl. Entscheidend sind unter anderem die Grösse der Fläche, vorhandene Resthaare, Haarkaliber, Haarstruktur, Haar-Haut-Kontrast, Spenderreserve und die angestrebte optische Dichte.
Warum benötigt die Tonsur häufig viele Grafts?
Die Tonsur kann eine relativ grosse Fläche umfassen. Zusätzlich wachsen die Haare im Bereich des Haarwirbels in unterschiedliche Richtungen. Dadurch kann Kopfhaut optisch schneller sichtbar werden als in Bereichen, in denen die Haare gleichmässiger übereinanderliegen.
Kann die Tonsur nach einer Haartransplantation noch dünn wirken?
Ja. Je nach Ausgangssituation und verfügbarer Graftzahl kann auch nach einer erfolgreichen Haartransplantation unter bestimmten Lichtverhältnissen oder Blickwinkeln etwas Kopfhaut sichtbar sein. Selbst bei natürlichem vollem Haar ist dies im Zentrum eines Haarwirbels möglich.
Warum sollte man nicht einfach möglichst viele Grafts in die Tonsur setzen?
Weil die Donorreserve begrenzt ist. Schreitet der Haarausfall später im Vorderkopf oder an der Haarlinie fort, können dort weitere Grafts benötigt werden. Eine langfristige Planung versucht deshalb, aktuelle Wünsche und mögliche zukünftige Anforderungen miteinander zu verbinden.
Bildnachweis: Das zur Veranschaulichung des natürlichen Haarwirbels verwendete Stockfoto stammt aus Adobe Stock, Datei 1626512185. Die dargestellten Tonsur-Ergebnisse stammen von Dr. Bijan Feriduni.